Freitag, 29. Mai 2015

Meine erste Wanderung - Rheinsteig

Ich hoffe, ihr hattet eine fabelhafte Pfingstwoche :) Letztes Wochenende gab es bei mir jedenfalls ein paar ereignisreiche Tage und ich will euch heute unbedingt davon berichten!

Wie man dem Titel schon entnehmen kann, war einer dieser Tage meine erste "richtige" Wanderung. Naja, wandern war ich früher schon ein paar Mal mit meinen Eltern, aber das waren alles keine so langen Strecken (man hat es als Kind so in Erinnerung, aber vorstellbar ist es eher nicht). Schon damals hat es mich irgendwie fasziniert - ich denke heute noch regelmäßig an unseren letzten Wanderausflug (Ruppertsklamm), den wir leider abbrechen mussten..


Seitdem - das ist bestimmt schon 5-10 Jahre her - habe ich mich aber nie wieder mit dem Thema auseinandergesetzt, warum auch immer. Ich wollte zwar noch mal gerne zurück in diese oben erwähnte Klamm, aber das habe ich nie weiter verfolgt und meine Eltern gehen mittlerweile auch nicht mehr wandern, weshalb ich unheimlich dankbar dafür bin, dass mein Freund mit dieser Idee um die Ecke kam!
Wir haben uns beide für den Rheinsteig entschieden, praktischerweise für Etappe 1 (Nord-Süd). So als absolute Neulinge ggf. nicht der beste Einstieg, für uns war die Strecke aber gut machbar! Dafür haben wir aber auch den kompletten Tag eingeplant und waren (brutto inkl. Rückfahrt mit der Bahn) 9-10 Stunden unterwegs.


Aber gerade das plus die Tatsache, dass nur verhältnismäßig wenige Leute unterwegs waren, fand ich so super! Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben; einfach raus aus der Zivilisation, Natur, Ruhe und quasi "Zeitunabhängigkeit". Das klingt jetzt komisch und ist genau genommen ja auch nicht so. Damit meine ich, einfach mal nicht auf die Uhr zu schauen (ich konnte die Zeit wirklich gar nicht einschätzen) und zu wissen, dass die Uhrzeit auch gar nichts zur Sache tut - das sind die besten Momente! Kein Druck und vollkommen selbst bestimmen zu können, wie lange man wo bleibt, welches Tempo man einlegt, oder ob man ggf. schon früher umkehren will... Das klingt jetzt so, als sei ich im Alltag irgendwie fremdbestimmt, was ich damit keinesfalls sagen will. Es ist einfach schwer in Wort zu fassen. "Alles kann, nichts muss" sozusagen ;)


Bei dieser tollen Aussicht haben wir dann eine längere (Essens-)Pause gemacht. Ich hatte überlegt über meine unterwegs-Verpflegung zu schreiben, aber das soll ja auch nicht immer im Mittelpunkt stehen. Also nur kurz: Ich habe viel zu viel eingepackt!!! Reichlich zu trinken (hier geht zuviel eigentlich gar nicht! Wobei man das ja alles tragen muss...), overnight oats, Bananen, belegte Brötchen, Rohkost und sogar ein grüner Smoothie waren mit dabei. Seltsamerweise hatte ich gar keinen so großen Hunger wie gedacht; was nicht heißen soll, dass der Tag nicht mehr als anstrengend war.
Leider hatte ich mir kurz zuvor (beim Crosslauf) eine Blase am Fuß gelaufen. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für stundenlanges Laufen auf mehreren Hundert Höhenmetern... Erstaunlicherweise hab ich sie dann aber kaum bis gar nicht gespürt, ansonsten hätten wir wohl frühzeitig abbrechen müssen.


Ich muss sagen, die Kilometer ziehen sich doch ganz schön! Aber dabei gibt es rechts und links (und oben und unten und... überall!!!) so viel zu bestaunen. Neben diversen Mäusen, Vögeln, Eichhörnchen und einem Reh findet man auch so einige interessante Baumkonstruktionen.
Zur Beschilderung kann ich eigentlich gar nicht mehr sagen, als dass sie klasse ist! Ich hab ja nun (noch) keinen Vergleich, aber bis auf wenige Ausnahmen war für uns immer direkt ersichtlich, wo es lang geht. Wenn man einmal auf den Weg gefunden hat, ist es komplett ohne Karte machbar - zur Sicherheit das Handy in der Tasche zu haben aber natürlich keine schlechte Idee!

Aussicht vom Petersberg
Markiert habe ich hier unser Ziel, das Schloss Drachenburg. Ist schon sehr cool, das zwischendurch immer wieder im Blick zu haben. Aber auch Bonn ist anhand des Post Towers aus der Ferne immer sehr gut zu erkennen:

links: Dornhecksee; rechts: Abstieg
Das Schloss hätte man theoretisch auch noch besichtigen können; inwiefern sich das lohnt oder was es dort zu sehen gibt, kann ich euch leider nicht sagen. Als wir dort ankamen, hatte es nämlich bereits geschlossen.
Wie ihr seht hatten wir mit dem Wetter großes Glück, auch wenn es in der Sonne zT. schon zu warm war. Allerdings würde ich sagen, dass der größte Teil schattig (wenn nicht sogar ganz durch den Wald) verlief. Trotzdem: Sonnenschutz nicht vergessen - hier kommt der erhobene Zeigefinger, denn auch im Schatten ist das nach so vielen Stunden nicht ungefährlich!!!

Aussicht vom Geisberg
Der wahrscheinlich schönste Ausblick; na gut, das ist schwer, vilt. war es auch lediglich das "fast-geschafft-Gefühl" ;)
Ich hätte gerne noch viel mehr Bilder gemacht, aber da ich meinen Akku nicht frisch für den Tag aufgeladen hatte, brauchte ich mich über das blinkende Batteriesymbol nicht zu wundern. Auch mein eigener Akku ging dann so langsam zu Ende, auf der Rückfahrt wäre ich in der Bahn sogar fast eingeschlafen... Ein kühles Eis zum Abschluss haben wir uns trotzdem nicht nehmen lassen!

Ich werde jetzt sicher nicht die nächste Wander-Bloggerin werden - ja, sowas gibt es tatsächlich (absolute Empfehlung! Die Fotos sind traumhaft, da kann ich halbe Ewigkeiten stöbern ♥) - aber ich hatte trotzdem das Bedürfnis, ein neues Label dafür einzuführen. Evtl. etwas vorschnell, aber in der Hoffnung, dass darauf noch weitere so tolle Tage folgen. Ich hätte wirklich Lust, mich schon bald an die nächste Etappe zu geben; es sind schließlich insgesamt ganze 320km, mal ganz abgesehen von den vielen weiteren Wanderwegen im Umkreis. Hättet ihr denn Interesse an weiteren Berichten, vilt. auch nur an den Fotos dazu?

Dass es allerdings nur zwei Tage darauf ein kurzes "Wiedersehen" gibt, hätte ich nicht erwartet. Denn da habe ich mich - endlich - mal mit dem Fahrrad auf den Weg Richtung Heimat gemacht.


[links: wortwörtlich in Linz am Rhein; rechts: vermutlich der Blick auf Burg Brohleck]

Ich war die Strecke noch nie gefahren und wusste dementsprechend auch nicht, wo es lang geht oder inwiefern es da überhaupt durchgehend richtige Radwege gibt... Ehrlich gesagt wollte ich mir darüber aber auch keine Sorgen machen. Ich bin einfach entlang des Rheins gestartet, ganz noch dem Motto "immer der Nase nach" und wusste, dass ich zur Not die Bahn nehmen kann, so wie ich auch sonst immer fahre ;) Da die auch am Rhein vorbei fährt, war das auch meine praktische Notlösung für den Fall, dass meine Kraft oder Kondition mir einen Strich durch die Rechnung macht.

Schnell habe ich dann aber diverse Wegweiser für Fahrradfahrer gefunden und war sehr froh, dass ich nun nicht mal mehr selbst nach geeigneten Wegen schauen musste. Bis auf eine Ausnahme (da bin ich wohl falsch gefahren und ein bisschen umher gekurvt; mir war aber relativ schnell klar, dass ich vom Weg abgekommen sein musste) konnte ich den Schildern super folgen. Außerdem war es Pfingstsonntag und ich konnte mich auch immer gut an den anderen Radfahrern orientieren ;) Wie gesagt, ein Handy inkl. GPS/ Google Maps ist Gold wert!

(ich schätze der eigentliche Weg wäre die direkte Verbindung zwischen 19 und 23 gewesen)
Meine Notlösung konnte einpacken; ich habs tatsächlich geschafft! Runtastic hab ich eigentlich nur aufgrund der Kilometer mitlaufen lassen, aber die Anzahl der Höhenmeter hat mich im Anschluss nicht überrascht.
Entgegen meiner Annahme Wunschvorstellung, schön entspannt am Rhein entlang zu radeln, hat mich die Streckenführung manchmal ein bisschen verrückt gemacht :D Es ging häufig quer durch die Orte, bergauf, bergab, mal über die Bahngleise zum Rhein und kurz später durch eine Unterführung wieder auf die andere Seite und so weiter und so fort... Das "Beste" kam dann aber, als ich gedanklich schon den Endspurt begonnen hatte:


Es sieht jetzt vilt. gar nicht so steil aus, aber mir fehlen echt die Worte zu diesem Aufstieg. Da fährt man nichtsahnend auf dem Weg entlang der Straße; welcher dann plötzlich in Schotter endet und da links hoch in die Weinberge führen soll! Ich brauchte echt einen Moment Pause, bevor ich das noch angehen konnte. Dabei war mir schon klar, dass ich Schieben müsste (bis hierhin hatte ich es fast ohne geschafft), aber selbst das war für mich in dem Moment schon eine Riesenanstrengung. Lacht mich ruhig aus, aber oben angekommen haben sogar meine Arme (!) gebrannt :D

Und: siehe da, von einem anderen Weg kamen mir Wanderer entgegen und schon bald hatte ich das "Rheinsteig"-Symbol am nächsten Baum entdeckt. Was soll das denn für ein Fahrradweg sein? Naja, die Abfahrt war dafür natürlich alles andere als anstrengend und ich hatte es ja nicht mehr weit :) Und natürlich war die Aussicht von da oben klasse:


Wie ich wahrscheinlich schon oft erwähnt habe, habe ich das Fahrradfahren jahrelange gehasst und habe immer noch einen Riesenrespekt davor! Es ist unglaublich, dass ich jetzt so einen Spaß daran gefunden habe. Abgesehen davon ist die Distanz für mich eine echte Leistung; weshalb ich das auch unbedingt schaffen wollte.
Ich war ganz überrascht, dass ich ehrlich gesagt sogar noch etwas weiter gekommen wäre (ich fühlte mich jetzt nicht so k.o., dass ich absolut nicht mehr konnte oder so). Solange es nicht auf Tempo geht, scheine ich mich da also wirklich unterschätzt zu haben. 
Der begrenzende Faktor ist da im Moment wohl eher der Sattel bzw. meine nicht-vorhandene Fahrradunterwäsche... Ich möchte nicht ausgiebig darauf eingehen, aber erst nach 2 Tagen ließen die Abdrücke/Schwellungen und Schmerzen langsam nach. Damit ist es nicht zu spaßen und blöderweise war das während der Fahrt in dem Maß absolut nicht zu spüren. Nur als Tipp, falls es noch mehr unerfahrene, aber motivierte Fahrradfahrer da draußen gibt ;)

Und das ist nicht mal alles, was zuletzt bei mir passiert ist. Unter anderem habe ich meine Haare endlich gefärbt und geschnitten - und ich liebe das Ergebnis! Oh und gestern hab ich dann mein erstes veganes Schokoeis gegessen ♥ Der Post sollte eigentlich schon ein paar Tage früher online gehen, aber da war er noch nicht fertig und dann fing ich leider wieder etwas an zu kränkeln und hab mich ins Bett verzogen... Kann auch gut sein, dass das ein Zeichen meines Körpers, es nicht zu übertreiben und lieber etwas langsamer angehen zu lassen.
Die letzte Woche war wahrscheinlich zu viel, ich muss ja nicht alles auf einmal erreichen. Eigentlich war für Samstag ein weiterer (offizieller) Lauf angedacht, aber sowohl der als auch die 2. Rheinsteig-Etappe müssen nun erst mal ohne mich auskommen. Heute gehts mir schon viel besser (jaja, was Schokoeis nicht alles bewirken kann), aber ich sollte mich besser noch etwas erholen, bevor es nächste Woche nach Mendig geht. Ich kann es kaum erwarten!

Und jetzt würde ich gerne etwas von eurer Woche hören. Oder vilt. euren letzten Wander- oder Fahrradausflügen :) Bleibt gesund und habt ein schönes Wochenende!

Kommentare:

  1. Erst einmal - wunderschöne Fotos und ich will unbedingt noch mehr Berichte lesen. Ich finde Deine übersprudelnde Freude irgendwie unglaublich süss und ich kann sie sehr gut nachvollziehen - einfach draussen in der Natur zu sein ist herrlich!
    Liebe Grüsse
    Ariana

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    1. Hi, du glaubst gar nicht wie sehr ich mich über den Kommentar gefreut habe! War/bin sehr auf das Feedback gespannt, da ich damit - mal wieder - noch ein neues Thema mit einbringe ;)
      Ich war schon immer gerne draußen, da braucht man gar nicht viel zum Glücklichsein. Für mich war das (ähnlich wie mit dem Fahrrad) so, dass ich mich im Nachhinein gefragt habe "wieso hast du das all die Monate/ Jahre nicht gemacht?", das wird aber definitiv nachgeholt :D LG

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  2. Ich weiß nicht ob es Zufall war oder was auch immer, aber ein paar Tage vor deinem Wanderbericht habe ich mir den Film "Der große Trip" mit Reese Witherspoon angeschaut - vielleicht kennst du ihn ja. Jedenfalls wandert sie monatelang (um eigentlich zu sich selbst zu finden) aber ich fand das so inspirierend, dass ich ganz vergessen habe, wie schön eigentlich wandern ist. Ich bin auch als Kind immer wandern gewesen und das letzte Mal vor 5 Jahren oder so... Aber jetzt hätte ich wieder riesengroße Lust darauf, kein Bericht hat auch dazu beigetragen :-)

    Ich kann total verstehen was du meinst mit "keinen Druck zu haben, nicht auf die Uhr zu schauen und einfach nur gehen wohin man will, die Richtung spontan zu bestimmen, usw.".... Ein wunderschönes Gefühl. Ich möchte mir in den Sommerferien unbedingt Zeit nehmen mal einen Wanderausflug zu machen :-)

    Wünsch dir noch ein schönes Wochenende, LG

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    1. Nein, von dem Film hab ich noch nie gehört. Der wäre bestimmt aber auch was für mich :) Freut mich, dass ich dich irgendwie ein bisschen "anstecken" konnte, ich kann es dir nur empfehlen! Wäre schön darüber auf deinem Blog zu lesen dann, wenn du magst. Liebe Grüße

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  3. Du schreibst sehr süß und bist sehr sympathisch :) Freu mich auf weitere Berichte

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  4. Oh ja! Was für ein toller Post! Sowas kannst du ruhig öfter schreiben (wenn du Zeit dafür findest. ;) und deine Fotos machen wirklich viel Lust aufs Wandern. Ich kann deine Freude darüber, übrigens total nachvollziehen. Vor drei Jahren war ich in den Alpen wandern - das war der Wahnsinn und ein Erlebnis, das mich auch verändert hat. Hach, ich liebe wandern.
    Also: Ich bin definitv an mehr Berichten interessiert. :)
    liebe Grüße

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