Dienstag, 31. Mai 2016

(Buch-)Review: American Psycho

Ich bringe hiermit mal wieder meine ganze schöne (mehr oder weniger) Ordnung durcheinander, aber da ich zu diesem Buch so immens viel zu sagen habe, braucht es definitiv einen eigenen Post!

Ich muss vorab sagen, dass ich das Buch schon vor einer ganzen Weile aus einem Bücherschrank mitgenommen habe und vorher rein gar nichts davon gehört hatte. Ich hab mich also lediglich aufgrund der Zusammenfassung auf der Rückseite dafür entschieden und mir nichts weiter dabei gedacht...
Mittlerweile weiß ich, dass das Buch schon ein paar Jährchen alt und relativ bekannt ist und von dem, was ich mitbekommen habe, ziemlich stark polarisiert - zwischenzeitlich sogar mal indiziert war (aber was heißt das schon, Stichwort Rammstein).


Ich habe an diesem Buch so einige Wochen gehangen und mehrfach ernsthaft überlegt es abzubrechen. Andererseits wollte ich wissen, wie es aus geht, auch wenn es mir ein bisschen davor graute... Mich hat wohl noch nie ein Buch neben und v.a. auch nach dem Lesen so stark beschäftigt und regelrecht verstört.
Jetzt aber mal Butter bei die Fische - ich versuche, nicht all zu viel zu spoilern, wobei der Inhalt aber auch nicht so sehr im Vordergrund steht. Man muss das Buch dazu einfach selbst lesen, aber dazu später mehr.

Um es mal kurz und knapp zu sagen: Das Buch besteht zur Hälfte aus endlosen langweiligen Oberflächlichkeiten und zur anderen Hälfte aus den brutalsten, sehr detaillierten Beschreibungen von etlichen Morden. So heftig hätte ich das nicht für möglich gehalten und es hat mich wirklich regelmäßig geschüttelt und auch im Nachhinein noch verfolgt. Zwischendurch hatte ich gerade vor diesen Kapiteln richtige Angst und hoffte, mich erst mal weiter durch irgendwelche einschläfernden Auflistungen von Modemarken, Gourmet-Essen oder CD-Beschreibungen lesen zu können. Diese Details, die mich gerade im ersten Drittel uuuunheimlich genervt haben - da wusste ich ja nicht, was noch folgt.


Insgesamt ist das Buch sehr flach geschrieben und besonders durch diese unverhofften Wechsel vom einen Extrem zum anderen wird diese sehr krasse Atmosphäre noch verstärkt. Zunächst werden die grausamen Verbrechen auch nur nebensächlich erwähnt. Zudem wird man dadurch verwirrt, dass man auch mal direkt angesprochen wird ("Was meinen Sie?"), es zum Teil an ein Drehbuch erinnert ("Bildausschnitt") oder auch manche Sätze mittendrin abgebrochen werden. Es war für mich einfach sehr seltsam zu lesen, weshalb ich auch nie sonderlich viele Seiten an einem Stück "geschafft" habe.
Den Protagonisten Patrick Bateman kann man nur als personifizierten Albtraum bezeichnen und dabei ist seine großkotzige, arrogante Art noch das kleinere Übel.

Eigentlich besteht das Buch nur immer wieder aus Wiederholungen bestimmter Aspekte, mit kleinen Abwandlungen (ein anderes Restaurant, ein anderes Gegenüber o.ä., aber sehr ähnliche Handlungen und Gespräche). Wenn man es mal ganz neutral betrachtet fällt auch auf, dass es gar keine große Spannungskurve gibt und dadurch wirkt es auf der einen Seite sehr monoton, was wieder in starkem Kontrast zu den perversen und wortwörtlich ekelerregenden seitenlangen Tötungsschilderungen steht.


Ich habe das Gefühl, mich nun auch zu wiederholen... Jedenfalls habe ich mich irgendwann gefragt, ob die Geschichte überhaupt auf irgendetwas hinführt (wie gesagt: kein Spannungsaufbau). Darauf will ich jetzt eigentlich gar keine genaue Antwort geben, denn vielleicht gibt es ja tatsächlich jemanden, der sich das Buch antun möchte. "Antun" deshalb, weil ich sehr mit mir ringe, es guten Gewissens jemandem zu empfehlen. Es ist natürlich jedem selbst überlassen, Zartbesaitete werden daran wahrscheinlich aber keine Freude haben!!!

Es fällt mir sehr schwer, mich auf eine Bewertung festzulegen. Das Buch war ganz anders als ich erwartet hatte, es hat mich wirklich fertig gemacht, und das sage ich jetzt nicht nur so. Ich bin immer noch sprachlos und glaube, gar nicht die richtigen Worte dafür finden zu können, was dieses Buch in mir ausgelöst hat.
Wenn es rein um den Unterhaltungswert ginge (so wie ich sonst auch bewerte), wäre von meiner Seite aus höchstens ein Stern, wenn überhaupt, angemessen. Ich muss aber zugeben, dass ich im Nachhinein doch irgendwie davon fasziniert bin. Ich kann es schlecht ausdrücken, aber gerade diese Stimmung, die das Buch bei mir hinterlassen hat, ist einzigartig. Es ist mal was ganz anderes und würde sogar so weit gehen, es als Kunstwerk zu bezeichnen. Dass überhaupt jemand in der Lage war, diese Seiten zu verfassen, ist mir unbegreiflich.
Ich hoffe, ich habe mich jetzt insgesamt nicht zuuu dramatisch ausgedrückt (alles Ansichtssache) und hoffe auf weitere Meinungen zum Buch :)

Es gibt wohl auch einen passenden Film, von dem ich gelesen habe, dass die richtig brutalen Szenen größtenteils fehlen, aber irgendwie habe ich mich da noch nicht ran getraut. Auch hier scheint man sich nicht einig zu sein, von grandios bis grottenschlecht habe ich viiiele Bewertungen gesehen,..

Hat noch jemand American Psycho gelesen? Wie war euer Eindruck?

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